Nachbericht zur Henry Arnhold Dresden Summer School 2020

Auf Abstand: Kultur zwischen Quarantäne und Neubeginn

 

Welche Herausforderungen entstehen durch die Corona-Pandemie für Kulturinstitutionen? Wie legitimiert sich ein geschlossenes Museum? Wie stellen sich Institutionen auf, um gestärkt aus der globalen Krise hervorgehen zu können? Diesen Fragen ging die Henry Arnhold Dresden Summer School 2020 unter dem Titel „Auf Abstand: Kultur zwischen Quarantäne und Neubeginn“ nach.

In Präsenz, digital, hybrid – so veränderte auch die Summer School in diesem Jahr ihre Formate und gestaltete neben einer Podiumsdiskussion vor Ort im Albertinum kurzweilige digitale Workshops mit Beiträgen renommierter Expertinnen und Experten sowie Alumni der vergangenen Summer Schools (siehe Programm).

Nach einer Bestandsaufnahme der pandemiebedingten Situation durch Verantwortliche der Partnerinstitutionen während der Podiumsdiskussion, fokussierten die Workshops die Themen „Wozu Museen?“, „Wozu Ausstellungen?“ sowie „Wozu Digitalisierung?“ – gefolgt von einer internationalen Einschätzung durch Hartwig Fischer, Direktor des British Museum in London.

Die Reflektion über die Rolle und Bedeutung von Kulturinstitutionen in Zeiten des Lockdowns hat dazu geführt, dass viele Institutionen zunehmend grundsätzliche strategische Überlegungen anstellen.Die Legitimation der Museen durch die Zahlen der Besucherinnen und Besucher ist dabei ein zentraler Aspekt, der in allen Programmpunkten thematisiert wurde. Wie rechtfertigt sich eine Institution vor ihren Geldgebern, wenn Angebote nicht wahrgenommen werden können? Welche Bedeutung hat die digitale Rezeption? Wann und wie wird ein digitaler Besuch überhaupt gezählt? Über reine Zahlen hinaus, sollten auch andere Relevanzkriterien ein Museum legitimieren: Wissenschaftliche Arbeit, Provenienzforschung, restauratorische Arbeit und Bestandsdigitalisierungen finden auch in geschlossenen Häusern statt und generieren damit einen stetigen Mehrwert für die Gesellschaft.

In den letzten Monaten des Lockdowns hat die Digitalisierung von Kulturinstitutionen starke Impulse erfahren. Digitale Tools ermöglichen die Zugänglichkeit zu Werken und Inhalten und schaffen darüber hinaus Anreize für einen Besuch vor Ort. Bei entsprechenden zeitlichen und finanziellen Ressourcen sowie guter Planung kann eine Institution individuelle Angebote für Nutzerinnen und Nutzer gestalten. Dabei ist eine Sensibilität bei der Umsetzung von digitalen Projekten in Bezug auf rechtliche und datenschutzrechtliche Belange sowie Nachhaltigkeit und die technische Weiterentwicklung gefordert. Deutlich wurde während der Workshops jedoch auch, dass die unmittelbare Umsetzung von Digitalangeboten die Institutionen unter Druck setzte und die Ergebnisse nicht immer zufriedenstellend waren, wenn Erfahrung, Professionalität oder Budgets fehlten. Ortsunabhängig entwickelte Open Source Lösungen könnten an dieser Stelle ein geeignetes Mittel sein, um vor allem auch kleineren Häusern ein Angebot zu ermöglichen.

Im Gegenzug steht jedoch fest, dass der analoge Besuch eines Kulturortes durch die Digitalisierungsangebote nicht ersetzt werden soll und kann. Dies zeigten die vollen Häuser nach der Wiederöffnung. Die Möglichkeit, sich zu treffen, auszutauschen sowie die festlichen Momente bei Eröffnungen müssen sowohl für die Besucherinnen und Besucher als auch für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wieder ermöglicht werden.

Die Disruption Corona kann ein guter Zeitpunkt sein, um sich über das Leitbild einer Institution Gedanken zu machen – sich selbst zu reflektieren, Prioritäten und Ziele zu schärfen, inhaltliche Strategien aufzustellen und die Nachhaltigkeit von Angeboten sicherzustellen. Eine Antwort könnten hybride Formate sein, welche eine digitale Auseinandersetzung mit dem physischen Kulturort verknüpfen können. Zukünftig sollten Ausstellungen auf zwei Ebenen sowohl für den Besuch vor Ort also auch für die digitalen Besucherinnen und Besucher konzipiert werden. Das gemeinsame Erarbeiten von Formaten unter der Beteiligung von Kuratorinnen und Kuratoren, Gestalterinnen und Gestalter und Expertinnen und Experten für Digitalisierung professionalisiert den Output in den Häusern und im digitalen Raum gleichermaßen.

Mitschnitte einzelner Formate finden sich in der Mediathek.